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05/01/2022

Wertschätzung - eine unterschätzte Währung

Wertschätzung steigert unser Selbstwert. Das ist wichtig zu wissen, denn Selbstwerterhöhung ist ein emotionales Grundbedürfnis.

Wertschätzung - eine unterschätzte Währung

Die machtvollste Währung im Job ist das Gehalt. Wenn das Gehalt stimmt, ist das drumherum zweitrangig, oder um es in den Worten eines alten deutschen Sprichworts zu sagen: Guter Lohn macht hurtige Hände. Nun, was wir mit Sicherheit sagen können, ist dass ein zu niedriges Gehalt noch immer einer der häufigsten Gründe für einen Jobwechsel ist. 

Laut einer XING E-Recruiting Umfrage, gaben 53% der Befragten an, aufgrund eines niedrigen Gehalts den Job zu wechseln. Mit ebenfalls 53% hat es schlechtes Vorgesetztenverhalten auf Platz 2 der “Top Gründe für einen Wechsel” geschafft. Ein niedriges Gehalt und schlechtes Vorgesetztenverhalten, sind also die Top Gründe für eine Kündigung. Aber ist es wirklich das Gehalt oder das Verhalten, dass Menschen zur Kündigung bewegt oder steckt was anders dahinter?

Geht man der These nach, dass schlechtes Vorgesetztenverhalten, die Motivation und das Engagement eines Mitarbeitenden dramatisch beeinflusst, könnte man ebenfalls davon ausgehen, dass Mitarbeitende sich irgendwann die “ist es das Wert?” Frage stellen und diese ist - sind wir ehrlich - wenig objektiv. Andersherum könnte auch ein zu geringes Gehalt dazu führen, dass Mitarbeitende sich schlecht oder unfair behandelt fühlen, obwohl das generelle Führungsverhalten angemessen ist. Man würde also einen Fehler machen, beides getrennt voneinander zu betrachten. 

Worin man sich jedoch einig werden könnte, ist die Tatsache, dass sowohl Gehalt auf der materiellen Ebene, als auch Verhalten auf der zwischenmenschlichen Ebene Wertschätzung auslösen kann oder eben nicht. Einer Umfrage eines renommierten HR-Portals zufolge, geben knapp die Hälfte der deutschen Befragten (46%) an, sich am Arbeitsplatz unzureichend wertgeschätzt zu fühlen. Vielleicht ein Grund für die steigende Fluktuation von Betrieben?

“Im Job wird vieles auf der Sachebene ausgetragen, obwohl sich der eigentliche Grund auf der Gefühlsebene abspielt. Fehlende Wertschätzung ist ein starkes Gefühl, dass nicht selten zur Kündigung führt.” - Katharina Schulze CEO & Co-Founder avy health

Die Macht der Wertschätzung Welche Auswirkungen Wertschätzung im Job hat, zeigt eine HR-Umfrage zum Thema Motivation am Arbeitsplatz. In der gaben 69 % der Mitarbeitenden an, dass sie engagierter bei der Arbeit wären, wenn sie Wertschätzung Ihrer Arbeit erfahren würden. Und das hat nicht nur positive Auswirkung auf die Produktivität jedes einzelnen, es reduziert auch die Fehlzeiten um sage und schreibe 41%. Wie machtvoll Wertschätzung ist, sollte spätestens hier auch dem/der größten Kritiker*in bewusst werden. Aber warum ist das so?

Wertschätzung steigert unser Selbstwert. Das ist wichtig zu wissen, denn Selbstwerterhöhung ist ein emotionales Grundbedürfnis. Emotionale Grundbedürfnisse sind, einfach gesagt, Empfindungen, die Menschen brauchen, um zufrieden zu sein, Beziehungen zu führen, engagiert zu arbeiten. Können wir diese nicht erfüllen, empfinden wir Frust, was langfristig sogar zu psychischen Beschwerden führen kann und allemal zum Jobwechsel. Es ist also auch die Aufgabe unserer Emotionen, dafür zu sorgen, dass wir uns um unsere Bedürfnisse kümmern. Tun wir es nicht, verspüren wir unangenehme Gefühle, die im Arbeitsalltag nicht selten zu Konflikten, Demotivation, Überforderung oder Unzufriedenheit führen.

Wertschätzung muss ernst gemeint sein Wertschätzung kann in vielerlei Hinsicht vermittelt werden. Und in der Tat ist es so, dass jeder von uns durch seine oder ihre Prägung ganz eigene Strategien dafür entwickelt hat, wie er oder sie wertschätzung gibt bzw. am effektivsten erfährt. Für die einen sind es wertschätzende Worte für die anderen wertschätzende Taten, die dritten brauchen beides, um ihr Selbstwert zu befriedigen. 

Aus Sicht einer Führungskraft, ist es für die Zusammenarbeit und Motivation eines Teams elementar, wertschätzend zu kommunizieren und zu handeln. Es ist jedoch immer wichtig, dass die Wertschätzung auch ernst gemeint ist. Wertschätzung kommt dann an und fördert das Selbstwert, wenn sie auf konkrete Fähigkeiten oder Verhalten bezogen ist und wenn das Gegenüber merkt, dass man sich Zeit dafür genommen hat. Ebenso wichtig ist, es, Feedback wertschätzend zu geben. Das heißt nicht, dass man keine Kritik äußern darf. Es bedeutet, dass man erstmal den Wert der erbrachten Arbeit oder Leistung schätzt und dann äußert, was noch fehlt oder noch nicht passt. 

Abschließend können wir festhalten, dass Wertschätzung, zum einen gelernt sein muss, denn es erfordert die Fähigkeiten Bedürfnisse zu erkennen, Verhalten wertfrei zu beobachten und auch unangenehmes akzeptieren zu können. Und wir uns, zum anderen, die Zeit nehmen müssen, wertschätzend zu kommunizieren und zu handeln. Und ja, es wird am Anfang mehr Zeit in Anspruch nehmen, sich mit den Bedürfnissen seiner Mitmenschen zu befassen und regelmäßig mit ihnen in den Austausch zu gehen. Gleichzeitig ist der zu erwartende Effekt eines Teams, das echte Wertschätzung erfährt hundertmal mehr Wert und zudem nachhaltiger, als es aus Zeitgründen nicht zu tun. Unterschätzt somit niemals die Macht von Wertschätzung.