avy logo dark

04/28/2022

Angst lähmt uns bei Konflikten

Wie man am besten mit Konflikten umgeht.

Angst lähmt uns bei Konflikten

Konflikte gibt es sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Wichtig ist, klug zu argumentieren und Ruhe zu bewahren. Das fällt uns leicht, solange wir keine Angst davor haben, von unserem Gegenüber abgelehnt zu werden. 

Um Konflikte vernünftig auszutragen und schlussendlich auch zu einer Lösung zu kommen, müssen sämtliche Beteiligten eine Fähigkeit besitzen: Wise Reasoning. Zu deutsch bedeutet das kluges Abwägen oder Argumentieren. Dazu zählt intellektuelle Bescheidenheit, die Bereitschaft, die Perspektive des anderen anzunehmen und frühzeitig zu erkennen, in welche Richtung sich eine Konfliktsituation entwickelt. Leider ist das in den meisten Fällen leichter gesagt als getan. 

In mehreren Studien mit über 1600 Freiwilligen gingen Forscher der Frage nach, welche Rolle eine erhöhte Angst vor Ablehnung in Konfliktsituationen spielt - und fanden eine relativ große. Bei Angst vor Ablehnung verengt sich unsere Wahrnehmung und wir tendieren dazu, uns ausschließlich verteidigen zu wollen. Dabei vergessen wir kluges Abwägen und die Offenheit, für Meinungen anderer Menschen zugänglich zu sein. 

Hohe Empfänglichkeit für Zurückweisung als stabile Persönlichkeitseigenschaft

In der Studie wurden die Probanden zuerst gebeten anzugeben, wie viele Gedanken sie sich bei der Vorbereitung auf ein unangenehmes Gespräch machen. Sie wurden gefragt, ob sie versuchen, vorab die Perspektive ihres Kollegen zu übernehmen. Weiter wurden sie gefragt, ob sie sich überlegen, wie sich die Konfliktsituation entwickeln könnte. Die Forscher schreiben, dass eine hohe Empfänglichkeit für mögliche Zurückweisung eine stabile Persönlichkeitseigenschaft sein kann. 

Erfasst haben sie das mit dem Rejection Sensitivity Questionaire für Erwachsene. Dabei erhöhten sie in einem Teil der Studien das Gefühl der Bedrohung bei den Teilnehmern, indem sie kritische Situationen aus ihrem Leben abfragen. Außerdem fragten sie die Bindungsstile der Probanden ab. Die Ausprägung maßen sie an den Big-Five-Eigenschaften: Verträglichkeit, Neurotizismus, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion oder Introversion. Schlussendlich legten sie den Teilnehmern auch den Narcissistic Personality Index vor. 

Es stellte sich heraus, dass bei denjenigen Teilnehmern die große Angst vor Zurückweisung haben, die Fähigkeiten, sich in der Konfliktsituation zu bewegen und hier konstruktiv zu argumentieren, geringer war. Die Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen lautet: Wer keine Angst vor Konflikten hat und glaubt, trotz konflikthafter Situation akzeptiert zu werden, ist besser in der Lage, Kompromisse zu finden und zu einer Lösung des Konfliktes beizutragen.