Altersübliche Ängste im

Kindes- und Jugendalter

Altersübliche Ängste im Kindes- und Jugendalter


Nicht nur Erwachsene betrifft das Thema Angst und wie sie überwunden bzw. bewältigt werden kann. Auch und besonders Kinder von klein an bis in die Jugendjahre, sind anfällig für Ängste aller Art. Aber im Gegensatz zu Erwachsenen haben sie noch weniger bis keine Erfahrung, wie sie einen Weg aus der Angst finden können. Sie sind dennoch ebenso wie Erwachsene betroffen von Angst vor Verlust, Trennungen, Tod, existenziellen Veränderungen, Krankheiten, Schmerzen, Alleinsein, Einsamkeit, Ärger, Streit, Mobbing, Bewertungssituationen usw..

Altersübliche Ängste im Kindes- und Jugendalter, die bei den meisten Kindern in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:


0-6 Monate: laute Geräusche

6-9 Monate: Fremde

9-12 Monate: Trennung, Verletzung

2. Lebensjahr: Eingebildete Figuren, Tod, Einbrecher

3. Lebensjahr: Tiere (Hunde), Alleinsein

4. Lebensjahr: Dunkelheit

6-12 Jahre: Schule, Verletzung, Krankheit, soziale Situation, Gewitter

13-18 Jahre: Verletzung, Krankheit, soziale Situationen, Sexualität


Arten von Ängsten:

Situativ durch Bedrohung ausgelöste Ängste

Plötzlich ist die Mutter nicht mehr im Gesichtsfeld des Kindes und es fühlt sich verloren; ein größeres Kind macht ihm Angst und bedroht es; die geliebte Erzieherin schimpft mit dem Kind und das Kind kann vor lauter Angst kaum standhalten, weil es das von zuhause nicht kennt usw.

Entwicklungsbedingte Ängste

Entwicklung bedeutet immer Autonomiezugewinn, aber auch Angst davor, den nächsten anstehenden Schritt, die Entwicklungsherausforderung, nicht zu schaffen. Das drücken Kinder in Bildern aus, in Angst vor Monstern, Angst vor Spinnen, Angst vor dem Gang auf die Toilette usw.


Angst, die sich aus Lebenssituationen ergibt

Die Geburt eines Geschwisterkindes, Trennung der Eltern, Start in der Kita oder in der Schule


Erziehungsbedingte Ängste

Erziehungsverhalten der Eltern ist zu streng oder zu bedrohlich in der Grenzsetzung; keine Begrenzung zu setzen, alles zuzulassen, kann dem Kind aber auch ein Gefühl von Verloren sein geben und ihm Angst machen.

Imitationsängste

Wenn die Eltern selbst ein leicht zu initiierendes und hohes Angsterregungsniveau haben, kann es sein, dass die Kinder sich die gleichen Erlebnismuster „abschauen“ und die Eltern so instinktiv mit ihrem Verhalten imitieren.


Menschheitsgeschichtlich bedingte Ängste

In der Tierwelt ist ein Junges ohne Herde oder ohne Tiermutter verloren, in der Menschenwelt ist das ähnlich; ein Kind reagiert unter Umständen instinktiv aus solchen Überlebensängsten heraus beim Verlassen seiner Familie und muss erst erfahren, dass im Zusammenhang mit Nachbarn, befreundeten Familien oder in der Kita, ja andere Menschen verantwortlich da sind und sich um es kümmern.


Durch Erfahrung bedingte Ängste

Vielleicht hat das Kind schon einmal auf eine heiße Herdplatte gefasst oder es ist auf einer Mauer balanciert und herunter gefallen. Vielleicht hat es deshalb vorläufig das Zutrauen in sich verloren und die jeweilige Situation mit vermeidender Angst aufgeladen.


Tipps für den Umgang mit Kinder-Ängsten


1) Anteilnahme und Verständnis sind wichtig. Nehmen Sie kindliche

Ängste und Sorgen ernst. Allerdings sollten sie weder

überdramatisiert noch heruntergespielt werden.


2) Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ängste. Lassen Sie sich die

Angst durch Ihr Kind beschreiben. Hören Sie aktiv zu. Vermeiden Sie

voreilig und einseitig zu denken.


3) Vermitteln Sie als Eltern „als „sicherer Hafen“ Sicherheit und

Geborgenheit. Je sicherer sich ein Kind fühlt, desto mehr kann es

seine Kräfte entfalten.


4) Vertrauen Sie auf kindliche Kräfte und „Techniken“ der

Angstbewältigung. Kinder verfügen über ungeheure Kreativität und

Phantasie im Umgang mit Ängsten. (Spiel, Magisches Denken,

Kreativität, Rituale)


5) Respekt vor der Individualität des Kindes – vor der individuellen

Lösung, dem individuellen Umgang und dem individuellen Tempo.


6) Sehen Sie Möglichkeiten der Angstbewältigung oder ist

professionelle Unterstützung sinnvoller?


7) „Wer vor der Angst davonläuft, den fängt sie ein. Wer der Angst

entgegensteht, vor dem läuft sie weg.“


8) Um Ängste konstruktiv zu verarbeiten, sind kreative und

schöpferische Eigenleistungen der Kinder unverzichtbar. Indem

Kinder aktiv werden, beginnen sie, wieder Kontrolle zu gewinnen.


9) Ängste der Eltern nicht weitergeben, sondern selbst bewältigen.